Skandinavien - Pflanzen im Fjäll
Fast 20 Jahre mussten Nordland-Freunde darauf warten: auf ein Bestimmungsbuch speziell über die skandinavische Pflanzenwelt in deutscher Sprache. Jede der 214 Pflanzen wird mit Foto, deutschem, lateinischem, englischem sowie norwegischem oder schwedischem Namen samt ausführlicher Beschreibung und Angaben zu Verbreitung, Biotop, Blütezeit etc. vorgestellt. Die Seiten mit den Pflanzentexten sind nomenklatorisch geordnet; das Register enthält die deutschen und lateinischen Pflanzennamen. Zeichungen, zum Beispiel von Blattformen, sowie Karten, zum Beispiel zu den Vegetationsstufen in den skandinavischen Gebirgsregionen, komplettieren das Bestimmungsbuch.
Für den Autor Hans-Jürgen Gottschalk stehen Pflanzen schon seit Studium und Promotion im Mittelpunkt des beruflichen Interesses. Über 25 Jahre führten ihn Untersuchungen zur Gebirgsflora in die Alpen, nach Osteuropa, in die Grenzgebirge Kasachstan-Kirgisistans zur Volksrepublik China und für acht Jahre nach Skandinavien, wo er mit Kollegen an den Universitäten in Trondheim (Norwegen) und Umeå (Schweden) zusammenarbeitete. Gegenwärtig ist der Autor als Wissenschaftsjournalist und als Naturfotograf tätig.
Aktualisierungen
Fjällpflanzen auf dem Rückzug:
Skandinavische Flachländler siedeln vom Süden in den kühleren Norden um. Gletscher-Tragant (Seite 130), Roter Steinbrech (Seite 117), Stängelloses Leimkraut (Seite 58) und Rosenwurz (Seite 115) haben ihre Standorte auffällig weit nach Norden verlagert. Ihre Areale, die auch in der subalpinen Zone lagen, entsprechen nicht mehr der Artspezifik. Die Arten sind verschollen.
Der Gletscher-Hahnenfuß (Seite 45) ist der Höhenrekordler unter den Blütenpflanzen. Er wächst in den Alpen bis in über 4.000 Meter Höhe (höchster Berg in Norwegen ist der Galdhøpiggen mit 2.469 m, in Schweden der Kebnekaise mit 2.104 m) und ist in Geröll, zwischen Steinen und Schutt, auf kalkfreiem, feuchtem Sediment verbreitet. Die fleischigen Blätter werden gerne von den Rentieren gefressen. Nun also der Rückzug zum Gipfel? Wie sieht die Zukunft der Fjällpflanzen aus? Ist die Flucht in die Höhe eine Alternative? Botaniker aus Österreich haben in Langzeituntersuchungen an den Hochgebirgspflanzen in Österreich und der Schweiz Folgendes erkannt: Hochalpine Pflanzen müssen in einem Jahr 10 Meter aufsteigen, um der globalen Erwärmung zu entgehen. Die meisten Pflanzen schaffen es aber nur einen Meter in einem Jahrzehnt.
Trotzdem, die veränderten Bedingungen machen unser Buch gewiss nicht überflüssig. Noch und weiterhin gibt es viel zu entdecken und mit seiner Hilfe zu bestimmen. Autor und Verlag wünschen god tur.
Buchbesprechung
Deutsch-Finnische Rundschau Nr. 127
... Vom Aufbau her handelt es sich um ein klassisches Bestimmungsbuch. In einem kurzen einführenden Teil werden Geologie, Klima und Vegetation der Fjäll-Landschaft, dem alpinen Bereich Skandinaviens, vorgestellt. Darauf folgen einige Begriffserklärungen und Hinweise, die es dem Laien ermöglichen, eine Systematik der Blattstellungen, -formen und -ränder zu erkennen.Den Hauptteil des Buches bildet die Vorstellung von über 200 Pflanzenarten. Auf jeweils einer Seite werden diese mit einem Farbfoto präsentiert; eine kurze Beschreibung informiert zur Biologie, zum Standort und zur Verbreitung. So erfährt man beispielsweise über das Scheuchzer Wollgras, dass es zwar nur bis zu 25 Zentimeter groß wird, dafür aber anders als verwandte Wollgrasarten bis in 1500 Meter anzutreffen ist. Aufgeführt sind neben dem deutschen Namen auch die Bezeichnungen im Lateinischen, Englischen, Norwegischen und Schwedischen. ...
Skandinavien - Pflanzen im Fjäll
ISBN 978-3-937452-03-6
2005
240 Seiten
214 Farbfotos
Zeichnungen und Karten
Euro 24,90
